Manspreading und She-Bagging

Wie weit es zwischen den beiden Hauptgeschlechtern Frau und Mann schon gekommen ist, merkt man an der teilweise sehr emotional geführten Diskussion zum Manspreading.

Der normale Mensch wird sich fragen, was das überhaupt ist. Manspreading steht für die gespreizte Beinhaltung von Männern an öffentlichen Orten. Es steht besonders in Öffentlichen Verkehrsmitteln in der Kritik und ist mittlerweile Angriffsziel zahlreicher Kampagnen, zuletzt bei den Wiener Verkehrsbetrieben unter dem Slogan “Sei ein Ehrenmann und halt deine Beine zam!”.

Verbote und Sanktionen

In den USA und in Spanien gibt es bereits Verbote und Geldsanktionen beim Manspreading. Und damit nicht genug, die britische Designerin Laila Laurel hat zwei Stühle entworfen, einen für Männer und einen für Frauen. Durch Führungsschienen müssen Männer die Beine nun zusammenpressen, die Frauen dürfen breitbeinig sitzen. Für diesen meiner Meinung nach gesundheitsgefährdenden Quatsch für die Weichteile des Mannes hat die Dame natürlich auch noch einen Preis gewonnen, den New Designers Belmond Award.

Provokation ist bekanntlich alles in der heutigen Zeit. Wenn ich mich aufrege, sagt man mir oft, lass es – das nimmt sowieso niemand ernst, genauso wie das, was Politiker sagen.

Ich finde das traurig. Muss man wirklich stumpf werden und den ganzen polarisierenden Quatsch in den Medien ignorieren? Aber welchen Sinn haben dann noch Medien, wenn man zumindest das meiste was sie schreiben ignorieren muss?

Der Vollständigkeit halber sei noch auf das She-Bagging hingewiesen, welches selbstverständlich bei weitem nicht so thematisiert wird, wie das angeblich weit verbreitete Manspreading. Beim She-Bagging nimmt die Dame zuviel Platz ein mit ihren Taschen.

Gegenseitiger Respekt und Rücksichtnahme hilft

Liebe Wiener Verkehrsbetriebe, solche Themen sind keine (eigene) Kampagne wert. Und schon gar in Form des üblichen “Männer-Täter-Frauen-Opfer-Prinzips”. Das ist einfach zu billig, zu polarisierend und schlicht unfair. Sicher, bei einigen Turbo-Feministinnen kommt man damit gut an, aber diese stellen gesellschaftlich nur eine kleine aber zugegeben laute Minderheit dar. Dem Anliegen ansich tut man damit jedenfalls einen Bärendienst.

Ich fahre über 20 Jahren mit Bussen und Bahn, noch nie hat mich Manspreading (könnte ja auch einen Mann betreffen, wenn sein Sitznachbar es übertreibt) noch She-Bagging gestört. Es gab dabei zwei Lösungen, 1. im Normalfall hat mein/e Sitznachbar*in die Beine enger zusammengeführt bzw. die Tasche entfernt, damit ich Platz habe. 2. im absoluten Ausnahmefall habe ich höflich gefragt “Könnten Sie etwas mehr Platz lassen, vielen Dank!”.

Aber dazu braucht es Anstand und Selbstbewusstsein. Respekt und Rücksichtnahme auf die jeweilige Situation meines Gegenübers. Arbeiten wir daran und nicht am Geschlechterbashing. Und arbeiten wir auch am gegenseitigen Verständnis, denn als Mann muss ich zugeben, dass ich tatsächlich aus anatomischen Gründen nicht wie eine Frau sitzen kann und möchte. Bin ich jetzt ein vom Patriarchat geprägter Macho? Nein, denn ich würde auch niemals einer Frau mit breitem Becken ihre größere Fläche an der Rückenlehne streitig machen. Und nein, ich muss als Mann natürlich auch keinen Spagat in Sitzhaltung machen und damit meine/n Sitznachbar*in bedrängen.