Fjorde Norwegens

Fjorde (skandinavisch: altnordisch fjorðr, englisch fiord) sind Meeresarme, die weit ins Festland reichten und ein besonderes typisches Merkmal beim Reiseziel Norwegen. Der längste norwegische Fjord (und zugleich auch der längste Europas) ist mit 204 km der Sognefjord (außerdem ist er der tiefste Fjord der Erde mit ca. 1.380 m).

hardangerfjord norwegen
Am Hardangerfjord nahe Bergsto

Die Fjorde sind entstanden durch Talgletscher, die durch Flusstäler fließen. Das Eis hat verwittertes Gestein mitgerissen und so das Tal erweitert. Die typische U-Form dieser Täler mit sehr steilen Hängen nennt man auch Trogtal. Nach dem Ende der Eiszeit tauten die Gletscher und der Meeresspiegel stieg. Die Trogtäler im Küstenbereich wurden durch Wasser geflutet. Aus den Tälern wurden Meeresarme, die als Fjorde sich zum Teil sehr weit ins Landesinnere ausdehnen.

Die norwegischen Fjorde sind meist sehr tief, weil sich das Land während der Eiszeit durch die Last des Eises stark gesenkt hat. Die Bodenflächen der Täler liegen somit deutlich unter dem Meeresspiegel. Obwohl die Nordsee also durchschnittlich nur 94m tief ist, ist z.B. der Sognefjord an seiner tiefsten Stelle ca. 1380 m tief!

Durch den Golfstrom und andere lokale Besonderheiten ist das Klima z.B. am Sognefjord verhältnismäßig mild, so das am Nordufer ausgiebig Obstanbau erfolgen kann. Fjorde sind meist dünn besiedelt, aber touristisch interessant. Neben Norwegen gibt es auch typische Fjordlandschaften in Schottland, Island, Alaska, Feuerland und Neuseeland.

 

Aurlandsfjord

Die Region um den Aurlandsfjord ist landwirtschaftlich geprägt und touristisch erschlossen. Mitte des 19. Jahrhunderts wanderten viele Einwohner der Region nach Nordamerika aus. Sie war früher eine der abgelegendsten Gegenden Südnorwegens und verkehrstechnisch schwer zu erreichen. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei.

Wichtige Orte am Aurlandsfjord sind Flåm und Aurland. Der Nærøyfjord ist eine Abzweigung des Aurlandfjord.

 

Geirangerfjord

Der Geirangerfjord ist einer der Klassiker der norwegischen Fjorde. Seit 2005 gehört er zum UNESCO-Weltnaturerbe. Er befindet sich ca. 200 km Luftline von Bergen und ca. 280 km von Oslo entfern   Am Ende des Fjordes befindet sich der die Ort Geiranger (ca. 300 Einwohner). In den Sommermonaten ist der Ort gut besucht. Neben den Hurtigruten-Schiffen, fahre auch viele Kreuzfahrtschiffe den Ort an. Der Haupterwerbszweig ist daher der Tourismus. Eine Autofähre fährt von Geiranger mehrmals am Tag durch den Fjord nach Hellesylt.

Der Geirangerfjord selbst ist nur ca. 15 km lang und ein Ausläufer des Sunnylvsfjords, der wiederum ein Seitenarm des Storfjords ist. Sehenswert sind die Wasserfälle „Die Sieben Schwestern“ (De syv søstre) oder der Wasserfall Freier und Brautschleier. Der Fjord hat viele steile Abhänge, auf denen heute noch die alten Gehöfte erkennbar sind. Die Landwirtschaft war damals attraktiv, weil in dem Fjord im Sommer fast 24 h Sonneneinstrahlung herrscht. Es konnten sogar Zitrusfrüchte geerntet werden.

 

Ebenfalls beliebt ist eine Fahrt auf dem Ørneveien mit schöner Aussicht auf den Geirangerfjord.

Hardangerfjord

Der Hardangerfjord befindet sich an der südwestlichen Atlantikküste Norwegens (Fylke Hordaland). Er ist ca. 170 km lang. Die Gegend um den Hardangerfjord wird oft auch nur als Hardanger bezeichnet. Dem Fjord sind im Atlantik die größeren Inseln Bømlo, Stord, und Tysnesøy vorgelagert. Im Fjord selber befindet sich die Insel Varaldsøy. Die tiefste Stelle des Hardangerfjordes ist 725 m tief.

Die Stelle ist ungefähr dort, wo der Hardangerfjord sich mit den kleineren Fjorden Eidfjord und Sørfjord trifft. Die Kommunen am Hardangerfjord sind: Eidfjord, Granvin, Jondal, Kvam, Kvinnherad, Odda, Ullensvang und Ulvik.

 

Lysefjord

Der Lysefjord befindet sich in Südnorwegen, östlich von Stavanger im Fylke Rogaland. Der Lysefjord ist eine Abzweigung vom Høgsfjord. Er ist ca. 40 km lang und an seiner tiefsten Stelle 500 m tief. Seine Name bedeutet heller Fjord, was auf die blankgescheuerten felsigen Wände zurückzuführen ist. In Oanes am Beginn des Fjords befindet sich das Lysefjord Center mit Informationen zur Region.

Eine besondere Sehenswürdigkeit ist der Preikestolen (Predigtstuhl) über dem Fjord. Diese 600 m hohe Plattform bietet eine umwerfende Aussicht auf den Lysefjord. Die Größe des Felsplateaus ist ca. 25 × 25 Meter. Die Fjellkante fällt 604 Meter senkrecht in den Fjord hinab. Der Preikestolen erfreut sich großer Beliebtheit als Wanderziel. Das Klima im Fjord ist mild und feucht. Die Hochebenen, die 600 – 1.000 m hoch liegen, können aber auch im Sommer kühl sein. Im Winter fällt dort viel Schnee.

Die Siedlung Fløri hat ein Elektrizitätswerk (gebaut 1917-1921). Man findet dort Wasserrohre und eine Treppe mit 4.444 Stufen. Seit 1999 gibt es dort ein neues Kraftwerk. In der Nähe des Kraftwerks lebt eine Seehundkolonie. Ca. 5 km vor dem Ende des Fjords befindet sich seine höchste Felswand Kjerag. Sie ist 1.084 m hoch. Der Kjeragkeil ist ein großer Stein zwischen zwei Felswänden.

Am Ende des Fjords liegt Lysebotn. Diese Siedlung besteht zum Großteil aus Ferienhäusern. Im Sommer ist die Straße zum Ort hin befahrbar. Kurz vor dem Ort ist sie eine anspruchsvolle Serpentinstraße mit 27 Haarnadelkurven. Sie geht hinab von 600 m auf Meereshöhe.

 

Nærøyfjord

Der Nærøyfjord ist 17 km lang und ein Nebenarm des Sognefjords. Seit 2005 gehört er zum Weltnaturerbe der UNESCO. Aufgrund seiner landschaftlichen Schönheit und spektakulären Gegebenheiten wird er gerne besucht.

Im Sommer fahren auch Touristenschiffe bis zum Ende des Fjords (bis zum Ort Gudvangen).

Der Nærøyfjord ist der schmalste Fjord Europas und an seiner schmalsten Stelle nur 300 m breit. Er wird beidseitig geprägt von bis zu 1.700 m hohen Felswänden. Da Steinschlaggefahr besteht, dürfen größere Schiffe das Horn nicht benutzen.

 

Oslofjord

Am nördlichen Fjordende des Oslofjords liegt Oslo, die norwegische Hauptstadt. Der Fjord zieht sich über 100 km Luftlinie vom Skagerrak nach Norden.

Er dient besonders der Naherholung der Hauptstädter. Der Oslofjord ist sowohl wirtschaftlicher als auch besiedlungstechnischer Schwerpunkt des Landes. Innerhalb einer Autostunde können 40 % der Norweger den Fjord erreichen. 40 % der Arbeitsplätze liegt ebenfalls in der Region. Dem Oslofjord kommt als Wasserstraße für Fracht- und Passagierschiffe große Bedeutung zu.

Der Oslofjord hat zahlreiche natürliche Häfen, Nebenarme und Abzweigungen. Die Region ist bereits seit der Eisenzeit bewohnt, die ältesten Funde stammen aus der Jungsteinzeit. In der Zeit der Wikinger und im frühen Mittelalter entwickelten sich Bauernhöfe zu Städten. Auch die alte Königsstadt Tønsberg (lt. Snorri Sturluson um 871 n. Chr. gegründet) befindet sich am Oslofjord.

 

Sognefjord

Mit 204 km ist der Sognefjord der längste Fjord Europas. Er ist mit 1.380 m zugleich der tiefste Fjord der Erde. Er läuft in mehrere kleinere Fjorde aus, wie z.B. Aurlandsfjord und Nærøyfjord.

Das Klima variiert im Sognefjord sehr stark. Während es im Westen noch sehr ozeanisch geprägt ist, wird es nach Osten hin kontinentaler. Eine weitere Besonderheit ist die an seiner Mündung liegende Felsenschwelle, die nur das warme Oberflächenwasser der Nordsee einfließen lässt. Dadurch ist das Klima insgesamt eher mild. Besonders am Nordufer wird dort intensiv Obstanbau betrieben.

Der Fjord beginnt im Westen bei Sygnefest und endet in Øvre Årdal am Årdalsfjord. Sehenswerte Orte sind:

Aurland, Balestrand, Flåm, Gudvangen, Hafslo, Høyanger, Kaupanger, Lærdal, Leikanger, Marifjøra, Skolden, Sogndal, Vadheim und Vik.

Über den Sognefjord führt eine Stromleitung, die mit 4.597m, die zweitgrößte der Welt ist. Es gibt eine Schnellbootverbindung von Flåm über alle wichtigen Ort nach Bergen.

 

Trollfjord

Der Trollfjord ist einer der schönsten Fjorde Norwegens. Er ist nur 2 km lang und einSeitenarm des Raftsunds zwischen den Lofoten und den Vesterålen. Die Einmündung ist lediglich 100 m breit und erweitert sich später auf bis 800 m. Sein Name leitet sich von den Trollen der nordischen Mythologie ab und charakterisiert die mystische Atmosphäre die in ihm herrscht. Sein Wasser ist glasklar und bei schönem Wetter spiegeln sich die umliegende Berge.

Auf der Südseite wird der Trollfjord durch den Trollindan abgeschlossen (1.045 – 1.084 m), im Norden durch das Blåfjell (998 m) und Litkorsnestinden (980 m). Die Hurtigrutenschiffe machen auf ihrem Weg von Bergen nach Kirkenes (als besonderes Highlight) einen kurzen Abstecher zum Trollfjord. In Svolvær können Trollfjord-Touren mit einem ehemaligen Fischkutter gebucht werden.

Bis 1960 gab es einen Wasserfall in dem Fjord, der heute in einem Rohr verlegt ist und der Stromerzeugung dient. Eigentlich schade, aber sauberer Strom ist auch wichtig.

 

Trondheimfjord

Der Trondheimfjord ist 130 km lang und damit der drittlängste Fjord Norwegens.

Er beginnt bei Ørland und geht bis Steinkjer. Trondheim liegt 70 km vom Meer entfernt und ist mit ca. 160.000 Einwohnern die größte Stadt an dem Fjord.

Der Trondheimfjord ist an seiner tiefsten Stelle 617 m tief (bei Agdenes).