Die Wikinger

Die erste dokumentierte Erwähnung der Wikinger ist der Überfall auf das Kloster Lindisfarne 793 n.Chr. an der Nordostküste Englands. Dies ist der Beginn der Wikingerzeit. Sie ging von 793 – 1066. Erst mit dem Einfall der Wikinger bzw. Normannen unter Wilhelm dem Eroberer in England war die wilde Wikingerzeit vorbei. Wilhelm christianisierte sein Reich und aus den Seekriegern wurden Händler und Handwerker.

wikingerschiff nachbau
Wikingerschiff-Nachbau “Gaia” (c)

Die Wikinger wurden auch als Nordmänner, Waräger oder Rus genannt. Sie lebten zunächst in verschiedenen Stämmen in Skandinavien.

Plündern und Brandschatzen

Die Wikinger waren seit dem Überfall auf Lindisfarne in Europa gefürchtet. Doch das war erst der Anfang. Sie griffen gerne Küsten-, Flussgebiete und Inseln an und plünderten dort alles, was nicht niet und nagelfest war. Ein Hauptgrund für den Erfolg der Wikinger bildeten ihre Drachenschiffe. Diese waren aufgrund ihrer Konstruktion, schnell und wendig und daher für die Raubzüge hervorragend geeignet.

Sie näherten sich mit ihren wendigen Drachenschiffen dem Angriffziel. Die Drachenschiffe waren mit vielen Kriegern besetzt und lagen flach im Wasser. Dadurch wurden sie von den Gegnern zu spät entdeckt, so konnten sie kaum noch Gegenwehr leisten. Die Gegner wurden ermordet oder in die Sklaverei verschleppt. Nach dem sie Alles brandschatzen und plünderten zogen sie sich schnell wieder zurück.

Die Wikinger überfielen mit Vorliebe auch Klöster und Kirchen, da diese schwach verteidigt, aber reich an Kostbarkeiten waren. Dieser Eigenart haben sie ihr schlechtes Image als brutale Plünderer zu verdanken, dabei unterschieden sich sie in diesem Punkt nicht wirklich von den anderen Völkern der damaligen Zeit. Da die Institution Kirche auch zu den wenigen gehörte, deren Mitglieder schreiben konnten, sind die Schandtaten der Wikinger auch gut dokumentiert worden.

Der Grund warum sie so gierig in Europa plünderten lag an den armen Verhältnissen in ihrer skandinavischen Heimat. Rauhes Klima und schlechte Böden machten den Bewohnern Skandinaviens das Leben schwer.

Die Wikinger: Seefahrt, Handel und Entdeckervolk

Die Wikinger waren gute Navigatoren und Meister der Schiffsbaukunst. Ihre Heimat brachte ihnen diese Eigenschaften bei: Durch die zerklüfteten Küsten sowie vorgelagerte Inseln und Schären, mussten überdurchschnittlich stabile und wendige Schiffe erbaut werden.

Die Wikinger waren aber auch erfolgreiche Händler. Sie trieben erfolgreich Handel mit China, Arabien und Persien.  Auf der Suche nach Beute und neuen Lebensraum stießen die Wikinger zunächst auf Island. Um 850 ließ sich dort der Norweger Ingolf Arnason mit seiner Familie nieder. Die Insel lag damals wie heute knapp südlich des Polarkreises mit starker vulkanischer Aktivität und schlechten Böden. Aber die weiteren Siedler ließen sich nicht abschrecken und so wuchs die Wikinger-Kolonie auf Island auf gut 30.000 Personen im Jahre 930 an. In diesem Jahr trat der erste isländische Althing zusammen und gründete den unabhängigen Staat Island.

Sie gründeten den unabhängigen Staat Island.

Aber auch auf dieser Insel wurde es der wachsenden Bevölkerung bald zu klein. Das Ackerland und die Nahrung reichte kaum noch und 970 brach eine Hungersnot auf Island aus. Die Isländer suchten nun neues Land. Aus Geschichten wussten sie, dass um 900 der Wikinger Gumbjörn Krake vom Kurs abgekommen war und ein Land mit Nebel, Treibeis und Schnee entdeckt hatte. Es wurde fortan als “Gumbjörnschäre” bezeichnet.

Um 980 wurde Erik Thorwald, genannt wegen seiner Haare Erik der Rote, zu drei Jahren Friedlosigkeit verurteilt und musste Island verlassen, da er im Streit zwei Nachbarn erschlagen hatte. Darauf segelte Erik zur Gumbjörnschäre und nannte die Insel Grönland, da er dort an der Westküste grüne Täler entdeckt hatte. Außerdem wollte er mit dem positiven Namen Mitstreiter zur Besiedlung finden.

Die fand er auch. 986 ging Erik mit 25 Schiffen auf die ca. 3.500 km lange Reise von Island nach Grönland. Aufgrund des schlechten Wetters kamen aber nur 14 Schiffe mit 700 Menschen an. Überraschend für die Neuankömmlinge war, dass die Insel bereits Einwohner hatte: Die Inuit, die alles andere als begeistert über die neuen Siedler waren. Das Klima der Insel war auch kälter als sich viele vorgestellt hatten. Trotz der widrigen Umstände gab es aber nach einigen Jahren schon 300 Bauernhöfe mit Rindern, Ziegen und Schafen auf Grönland. Erik selbst hatte seinen Hof am Eriksfjord.

Getreide lies sich auf Grönland nicht anpflanzen, aber es gab Milchprodukte, Käse, Butter, Rentierfleisch, Wale, Bären und Seehunde. Die Frauen waren für das Kochen zuständig. In großen Kesseln wurden Eintöpfe zubereitet. Auf heißen Steinen schmorte man Fleisch. Es wurde Handel mit Walknochen, Fellen, Pelzen und Elfenbein mit  Norwegen uns Island getrieben.

Für ihre Schiffe und Häuser brauchten die Grönländer Holz. Dieses war jedoch knapp und so erinnerte man sich an die Grönlandsaga, die berichtete, dass 985/986 Bjarne Herjolfsson, der eigentlich seinen Eltern von Island nach Grönland folgen wollte, nach Nebel und Sturm ein anderes Land ostwärts entdeckt hatte. Es war flach bis hügelig und mit endlosen Wäldern überzogen. Dies war vermutlich Neufundland und Labrador im heutigen Kanada.

Bjarne berichtete später, als er dann doch in Grönland angekommen war seinen Landsleuten von dem Land. 500 Jahre vor Kolumbus. 992 versuchte Leif Eriksson, der Sohn von Erik dem Roten, dieses Land wieder zu finden. Mit 35 Männern zog er gegen Südwest und kam nach Labrador, dass er Steinland nannte. Darauf nach Neufundland, dass er Waldland nannte. Das neue Land insgesamt nannten die Wikinger “Vinland”, was Weinland bedeutet. Angeblich weil einer der Männer dort an seinen Heimat an der Mosel erinnert wurde. Vinland war ein ergiebiger Handelsplatz für die Wikinger. Die Grönländer segelten öfters auf der Rückfahrt voll beladen mit Pelzen, Fellen, Tran und Holz zurück. Aber die neu entdeckten Länder konnten auf Dauer nicht von den Wikingern gehalten werden.

Aufgabe der neuen Länder

Auf Grönland konnten sich die Wikinger, wie wir heute wissen, bis ca. 1350 halten. Danach hatte sich das Klima wohl derart verschlechtert, dass ein Überleben nicht mehr möglich war. Die Indianer, die von den Wikingern verächtlich “Skraelinge” (Schwächlinge) genannt wurden, machten ihnen auf Dauer das Leben schwer.

Handelsplatz Haithabu

Einer der größten Handelsstützpunkte der Wikinger lag an der Schlei im heutigen Schleswig-Holstein. Er hieß Haithabu, was übersetzt “Siedlung auf der Heide” bedeutet. Der arabische Kaufmann At-Tartuschi nanne sie “Eine große Hafenstadt am äußersten Rand des Weltmeeres”.

Haithabu wurde 804 erstmals urkundlich benannt unter dem Namen Slisthorp. Es lag an der schmalsten Stelle von Jütland und so wurde Haithabu rasch zu einem großen Warenumschlagplatz. Zu Kaufleuten kamen Schiffsbauer und andere Handwerker. Auf dem Höhepunkt des Ortes sollen dort ca. 1.000 Menschen gelebt haben.1050 überfiel der Norwegerkönig Harald Hardrada “der Harte” den Ort und äscherte ihn ein. 1066 plünderten die Westslawen den Ort. Die Einwohner siedelten neu in Schleswig. Haithabu kann heute als Ausgrabungsstätte und Museum besichtigt werden.

Der Name Odin kommt von dem altnordischen Wort “óðr”, dass man mit “wild, rasend” übersetzt. Er war in erster Linie der Kriegs- und Todesgott. Zu ihm betete man, wenn man im Kampf in Ekstase geraten wollte und Stärke erlangen musste.

Odin hatte nur ein Auge, denn er hatte eins seinem Onkel und Jöten Mimir geopfert um aus dem Brunnen der Weisheit am Lebensbaum Yggdrasil zu trinken. Durch dieses Opfer erhielt er ein geistiges Auge, mit dem er Dinge sehen konnte, die andere nicht sahen. Odin verwundete sich ferner mit seinem eigenen Speer und hing neun Tage lang ohne Wasser und Essen an der Weltesche. Hierdurch erhielt er Zauberkraft. Er war ein Magier und konnte seine Gestalt wechseln.

Odin zweiter Name war Wotan, was eine Ableitung von Wut ist. Laut der Völuspa hat Odin den ersten Krieg verursacht, da er einen Speer in die Feinde schleuderte. Er reitet sein achtbeiniges Pferd Sleipnir.

Jeder Wikinger erhoffte sich nach der Schlacht im Falle des Todes von den Walküren, Odins Adoptivtöchtern auserwählt zu werden und in Walhalla (Göttersitz) an der großen Tafel mit den Asen zu sitzen. Dort saßen nur die Tapfersten. Sie tranken Met und schauten den täglichen Kampfspielen zu. Dort würden sie warten, bis sie Odin gegen den letzten Kampf mit dem Riesenwolf Fenrir beistehen müssten.

Ein weiterer wichtiger Gott (Asen) war Thor. Er war der Gott der Bauern und hatte gewaltige Kräfte. Er schwang seinen gewaltigen Hammer Mjölnir gegen seine Gegner. Er beschützte Götter und Menschen gegen die feindlichen Jöten und Riesen. Er war der Herrscher über Donner, Sturm und Wind. Sein Kampf mit der Mudgardschlange ist ein beliebtes Thema in den Mythen.

Tyr war ebenfalls einer der Asen. Er war sehr tapfer und kühn und hatte nur eine Hand. Er verlor sie, als die Götter den Riesenwolf Fenrir mit einer unzerreißbaren Kette an die Weltesche banden. Tyr hatte als Pfand seine Hand in den Rachen des Tieres gelegt und als dieser merkte was die Asen vorhatten biss er Tyrs linke Hand ab.

Weitere Asen waren:

Balder, ein Sohn von Odin und Frigg, Gott des Lichtes, der Reinheit, Güte und Schönheit. Eigenschaften sind Toleranz, Friedfertigkeit und Liebe.

Bragi, ein Sohn von Odin und Frigg, Gott der Dichtkunst und Begrüßer der Helden in Walhalla.

Heimdall, Lichtgott, Schützer allen Lebens und Himmelswächter. Er wohnt in Himinbjörg und reite auf seinem Pferd Gulltopp. Er ist der Wächter der Regenbogenbrücke (Bifröst) zwischen Midgard und Asgard.

Ullr ist der Gott des Winters, des Zweikampfes, der Jagd und der Äcker. Er bewohnt seine selbsterbaute Halle Ydalir. Er war Meister im Schlittschuhlaufen und wird heute oft von Skifahrern als Talisman getragen.

Frigg (Saga), Gemahlin von Odin, Schutzherrin der Ehe und Mutterschaft. Sie hat mehrere Dienerinnen Eira, Fulla, Gna, Hlin, Lofn, Sygn, Vara und Vjofn.Sie gebar Odin die Göter Balder, Bragi, Hermor, Hödur und die Walküren. In Asgard sitzt sie im Raum Fensal (Sumpfsaal) und webt die Wolken.

Sif, Göttin der Vegetation, Fruchtbarkeit und Ährenfelder. Gattin von Thor. Idun, der Göttin der Jugend und Fruchtbarkeit. Sie ist die Gattin von Bragi. Neben den Asen gab es auch das Göttergschlecht der Wanen, zu denen auch Freya, Göttin der Fruchtbarkeit, des Frühlings, der Liebe und des Glückes, gehört. Ihr Wagen wird von Katzen gezogen. Auch Njörd ihr Vater, der Gott des Meeres und des Ozeans gehört zu ihnen.

Einst gab es Krieg zwischen Asen und Wanen, der jedoch mit einem Frieden endete. Die Nornen Urd, Verdani und Skuld spinnen die einzelnen Lebensfäden der Menschen. Sie wohnen an der Weltesche und bringen den Menschen Heil und Unheil.

Daneben gab es Folgegeister, die die Menschen begleiteten und weitere Wesen aus der Natur wie Zwerge, Geister und Elfen. Hauptgegner der Asen waren die Jöten, die die blinden Naturkräfte dargestellten. Deren Stammvater war Ymir, der von Odin getötet wurde. Aus seinem Blut entstanden Bäche und Flüsse aus seinem Schädel das Himmelsgewölbe.