Byzantinisches Reich

Das Byzantinische Reich (oft auch bezeichnet als Byzanz, Ostrom oder Oströmisches Reich) entstand nach der Reichsteilung von 395 aus dem östlichen Teil des Römischen Reichs.

Kaiser Konstantin I. (270 bis 337) hatte sich bereits im Jahre 324 im östlichen Teil des Imperiums eine kleine, bereits seit 660 v. Chr. bestehende, griechische Kolonie namens Byzantion als neue Hauptstadt ausgeguckt. Sie lag am südwestlichen Ausgang des Bosporus zwischen dem Marmarameer und dem Schwarzen Meer.

wappen ostrom
Der doppelköpfige Reichsadler als Symbol des Byzantinischen Reichs

Dieses kleine Fischerstädtchen hatte einige große strategische Vorteile: Es bot einen natürlichen Tiefseehafen und lag geschützt an einer Landzunge und war daher ideal um Handels- und Kriegsschiffen Schutz zu bieten.

 

Konstantinopel, die neue Hauptstadt

Konstantin I. (auch genannt “Konstantin der Große”) lies diese überschaubare Siedlung in den Jahren 326 bis 330 zur einer prächtigen Metropole ausbauen. Hierzu wurden Architekten, Handwerker und Künstler angeworben, die in der Stadt lange Straßen, Paläste und Kirchen erbauten. Natürlich durften auch die typischen Sehenswürdigkeiten und Unterhaltungsorte einer seinerzeit modernen Vorzeigestadt nicht fehlen und so fand man hier auch imposante Stadien, Amphitheater, Circus, Bäder und Justizgebäude.

Künstler schmückten die Stadt mit Skulpturen, Marmordenkmälern, Brunnen, Mosaiken und vielem mehr. Am 11. Mai 330 war es dann soweit und die Hauptresidenz des Kaisers wurde nach Nova Roma verlegt. Dieser Name setze sich jedoch nicht durch und so wurde die neue Hauptstadt nach ihrem Erbauer Constantinopolis (Konstantinopel) genannt. Seit 1930 ist die heutige Weltstadt unter dem Namen Istanbul bekannt, die größte Stadt der Türkei.

fresko konstantinische schenkung
Das Fresko zeigt Konstantin I. und Papst Silvester I. (Konstantinische Schenkung)

Aber zurück in die Spätantike. Konstantin I. spielte nicht nur eine entscheidende Rolle bei der Verlegung der Hauptstadt von Rom nach Konstantinopel, sondern auch in Bezug auf das Christentum. Mit der konstantinischen Wende schaffte er nicht nur die Christenverfolgungen ab, sondern begünstigte deren Glauben sogar. In Byzanz gab es zahlreiche Kirchen, Christusstatuen und andere religiöse Denkmäler. Zunächst soll er wohl ein Anhänger des Sonnengottes Sol Invictus gewesen sein, ehe er sich dem Christentum zuwandte.

 

Christentum zur Staatsreligion

Der Legende nach soll Konstantin I. vor der Schlacht bei der Milvischen Brücke ein leuchtendes Kreuz mit der Inschrift „In hoc signo vinces“ (dt. In diesem Zeichen wirst du siegen“) gesehen haben, was ihn nach der gewonnen Schlacht endgültig vom Christentum überzeugte.
Allerdings wurde erst unter Kaiser Theodosius I. (347 bis 395) das Christentum zur Staatsreligion erklärt. Nach dessen Tod kam es 395 dann endgültig zur Trennung zwischen dem Weströmischen und Oströmischen Reich. Seine Söhne wurden entsprechend Kaiser von Westrom (Kaiser Honorius) und von Ostrom (Kaiser Arcadius). Ziel der Trennung war eine bessere Verwaltung und Verteidigung der beiden Reichshälften zu organisieren.

Insgesamt galt Westrom als militärisch und finanziell schwächer, als Ostrom. Westrom verlegte schließlich seine Hauptstadt von Rom nach Mailand und später nach Ravenna. Aber bereits im Jahre 476 wurde der weströmische Kaiser Romulus Augustulus durch den westgermanischen Heerführer Odoaker abgesetzt. Er selber nannte sich „Rex Italiae“ und unterstellte sich formal dem oströmischen Kaiser Zenon, den er als den einzigen Kaiser Roms bezeichnete.

Die Situation war insofern paradox, weil seinerzeit niemand diese dramatischen und einschneidenden Vorgänge als das Ende Westroms empfand, zumal viele Menschen das Imperium Romanum immer noch als Ganzes wahrnahmen. Auch der weströmische Senat, die Verwaltung und sogar der Hof existierten noch einige Zeit weiter. Aber den Niedergang Westroms kann man insbesondere an dem Schicksal der einst blühenden Metropole Rom selbst erkennen. Hatte die Stadt noch im Jahre 250 ca. 1 Millionen Einwohner, schrumpfte die Bevölkerung durch die Plünderungen 410 (Westgoten) und 429 (Vandalen) enorm. Die Nahrungsmittel wurden knapp und die Infrastruktur zerfiel, antike Bauten wurden als Steinbruch missbraucht und auf dem Forum wurde sogar Ackerbau betrieben.

 

Griechisch geprägtes Ostrom

Diese Entwicklung blieb Ostrom, dass fortan als Byzantinisches Reich einen eigenen Charakter zeigte, erspart. Byzanz wurde eine erfolgreiche Handelsnation und byzantinische Waren sind in der damals bekannten Welt äußerst begehrt gewesen. Besonders feine Textilien, Lederwaren, Elfenbeinkunst, Porzellan und Goldschmiedearbeiten aus Byzanz waren als qualitative und kunstvolle Produkte gefragt. Der Bildungsstandard und auch das kulturelle Niveau von Byzanz waren hoch.

Das antike Erbe und dessen Pflege sowie das Selbstverständnis die Wiege des Christentums zu sein, förderten das Zusammenhörigkeitsgefühl der verschiedenen Völker des Byzantinischen Reichs. Neben den dominanten Griechen, lebten im Reich auch Armenier, Ägypter, Illyrer, Syrer, slawische Völker und andere. Die griechische Sprache und Kultur war aber bereits durch den Hellenismus in verschiedenen Zentren wie Alexandria, Antiochia, Ephesos und Thessaloniki im gesamten Staat gefördert worden. Unter Kaiser Herakleios (575 bis 641) löste Griechisch die Lateinische Sprache als Amtssprache ab. Er selbst legte den Titel Imperator ab und ersetzte ihn durch den griechischen Begriff Basileus.

Im Bereich der Finanzbranche kannte das Byzantinische Reich schon Banken und Versicherungen. Seine Währung der Solidus, galt als der „Euro des Mittelalters“ und war in Europa und Asien als sichere Devise beliebt. Er war beeindruckend über ein Jahrtausend im Umlauf (ab dem 11. Jahrhundert nannte man ihn Hyperpyron) und damit eine epochale Leitwährung. Handelsstrategisch lag Byzanz im Übrigen günstig auf einigen Handelsrouten und profitierte von Ein- und Ausfuhrzöllen.

 

Handelsnation mit militärischer Stärke

Auch byzantinische Künstler, Bildhauer, Maler und Architekten galten als gefragte Gastarbeiter. Dabei stand das Byzantinische Reich kulturell, sprachlich und künstlerisch stark unter griechischem Einfluss.

Ähnlich wie das Imperium Romanum versuchte auch Byzanz seine blühende Kultur und seine erfolgreiche Handelstradition durch militärische Stärke abzusichern. Auch war es ein erklärtes Ziel das alte Imperium in seiner ganzen Ausdehnung wieder zu errichten. Dieses Ziel konnte jedoch nie ganz erreicht werden, jedoch hatte das Byzantinische Reich in der Mitte des sechsten Jahrhunderts seine größte Ausdehnung und bedeckte um das Jahr 550 wieder weite Teile der Mittelmeerregion bis zum heutigen Spanien und Nordafrika sowie auch Italien.

Unter Kaiser Justinian I. (482 bis 565) sah es so aus, als ob das alte Römische Reich wieder an die alten Grenzen reichen könnte. Besonders die beiden oströmischen Feldherren Belisarius und Narses konnte das Staatsgebiet wieder deutlich vergrößert werden. Berüchtigt waren die byzantinischen Bogenschützen, die Reiterei und der Einsatz des Griechischen Feuers gegen feindliche Schiffe.

Die Byzantiner nannten es selbst „Römisches Feuer“ und spritzten dabei eine Mischung aus Erdöl, Asphalt und weiteren Stoffen wie Harz, Kalk und Schwefel auf die feindlichen Schiffe. Mit dieser Waffe konnten die Byzantiner erstmals um 677 die arabische Belagerung beenden und um 737 die Flotte der Sarazenen besiegen.

 

Abwehrkampf und Ende des Byzantinisches Reichs

Vorangegangen war jedoch ein über Jahrhunderte geführter Abwehrkampf gegen die unterschiedlichsten Feinde. Auf dem Balkan bedrängten Bulgarien, Kumanen, Petschenegen und andere slawische Völker das Byzantinische Reich. Über Jahrhunderte waren die Sassaniden und später die Araber hartnäckige Gegner um die Vorherrschaft in der Region. Die Araber  nahmen letztlich im Rahmen der islamischen Expansion die östlichen Küsten des Mittelmeers ein.

Durch diese Gebietsverluste und damit einhergehende sinkende Einnahmen schwanden die Ressourcen und auch die byzantinische Armee verlor an Stärke und Disziplin. 1071 fiel mit Bari als letzte Bastion der Byzantiner in Italien an die Normannen. Es wird vermutet, dass das technische Wissen um das Griechische Feuer mit der Plünderung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer 1204 verloren ging und nicht mehr eingesetzt werden konnte. Die Venezianer machten sowohl machtpolitisch als auch im Handel Byzanz starke Konkurrenz. Die Marine, eine einstige Stärke von Byzanz, wurde ebenfalls zunehmend kleiner und war gegen Ende des Imperium Byzantinum, als es sich nur noch um die Hauptstadt und wenige Außengebiete erstreckte, kaum noch vorhanden.

Mit der Eroberung von Konstantinopel am 29. Mai 1453 durch die Janitscharen des türkischen Sultans Mehmet II. starb der letzte byzantinische Kaiser Konstantin XI. bei den Kämpfen um die Stadt. Das Byzantinische Reich war damit nach langem Kampf in die Geschichte eingegangen, als eines der langlebigsten Reiche der Menschheit.

Nach dem Fall der Stadt flüchteten viele Gelehrte und Künstler nach Westeuropa und lösten dort mit ihrem Wissen und Wirken die Renaissance, eine Wiederbelebung der Kultur und Kunst der Antike aus.

Aber auch Byzanz lebt in gewisser Weise fort: Bis heute ist die byzantinische Kultur noch lebendig in den christlich-orthodoxen geprägten Staaten Osteuropas, vor allem aber auch in Griechenland und auf Zypern.