Die Grenze des Feminismus ist die Diskriminierung anderer Geschlechter

Der Feminismus versteht sich ursprünglich als gesellschaftliche und politische Strömung zur Selbstbestimmung aller Menschen jeglichen Geschlechts und gegen Sexismus. In der medialen und gesellschaftlichen Wahrnehmung polarisiert sich der heutige Feminismus allerdings leider allzu oft auf die Schlechterstellung von Frauen gegenüber Männern.

Dabei wird die Komplexität der Problematik oft ignoriert und auf ein übliches Mann-Täter-Frau-Opfer-Klischee reduziert, gerne auch mit einer Diffamierung der bösen alten weißen Männer. Oft erscheint auch eine Art Rosinenpicker-Feminismus, der Quoten in Dax-Vorständen und Parteiwahllisten fordert, aber nicht bei Müllmännern und Kanalarbeitern. Und auch bei der gendergerechten Sprache spricht man heute viel von Umweltaktivist*innen aber nicht von Umweltsünder*innen – diese Begriffe verbleiben selbstverständlich beim generischen Maskulinum.

Dies bleibt nicht unbemerkt und vielleicht ist dies zumindest ein Mitgrund für eine Besorgnis erregende Radikalisierung junger Männer. Framing und polarisieren hilft der Gleichberechtigung und der Entwicklung einer harmonischen, toleranten und gerechten Gesellschaft aber so viel wie Spiritus beim Löschen eines Feuers.

Erfolge des Feminismus

Dies alles macht den Feminismus heute nicht immer sympathisch. Trotzdem muss man der Bewegung ansich und über die Jahrhunderte einige notwendige Erfolge quittieren. Was meines Erwachtens oft vergessen wird ist, dass diese Erfolge auch immer nur möglich waren, weil (alte weiße) Männer diese Forderungen unterstützen – und das nicht immer aus Zwang, sondern auch aus Überzeugung.

Vieles davon ist heute zum Glück selbstverständlich. War die Gesellschaft hierzulande früher lange Zeit patriarchal geprägt, hat sich mit dem Frauenwahlrecht (1919) und der formellen Gleichberechtigung seit dem Grundgesetz 1949 und Artikel 3 einiges getan.

Der Weg der Feministinnen war auch in Deutschland lang. Erst ab 1900 durften Frauen studieren, ab 1908 durften sie Mitglied in Vereinen werden und Abitur machen. Ab 1923 durften Frauen Polizistin werden und 1958 trat das Gleichberechtigungsgesetz in Kraft. Aber auch hier war noch von der Verantwortung der Frau für den Haushalt die Rede und sie durfte nur arbeiten, wenn sie ihre ehelichen Pflichten nicht vernachlässigte. Immerhin mussten Frauen ab dann keine Erlaubnis mehr ihres Ehemanns für den Führerschein vorweisen.

Ab 1961 durften Frauen unter bestimmten Voraussetzungen die Antibabypille nutzen, vorher musste der Mann um Zustimmung gebeten werden, ob ein Kondom benutzt werden darf. 1962 durften Frauen alleine ein Konto einrichten und noch 1970 gab es im Bundestag einen Eklat, als Lenelotte von Bothmer im Hosenanzug an das Rednerpult ging. Bis dahin hatten sich Frauen „fraulich“ zu kleiden. 1973 wurde aus Notzucht dann Vergewaltigung, wobei diese nur außerehelich vorlag (erst seit 1997 ist Vergewaltigung in der Ehe strafbar).

Seit 1977 brauchen Frauen keine Erlaubnis des Ehemannes für ihre berufliche Tätigkeit. 1979 führen die Grünen eine Frauenquote ein, 1988 die SPD. Seit 1992 dürfen Frauen auch zwischen 20 und 6 Uhr arbeiten (Nachtarbeit), vorher war ihnen dies aus sittlichen und gesundheitlichen Gründen verwehrt. Seit 1994 dürfen Frauen nicht mehr gezwungen werden den Namen des Mannes anzunehmen. 2005 wurde Angela Merkel die erste Bundeskanzlerin. 2016 folgt die 30% Frauenquote von DAX-Vorständen, im gleichen Jahr erfolgt die Verschärfung des Sexualstrafrechts zu „Nein heißt Nein“. 2017 kommt die Ehe für alle, 2019 feiert der Bundestag 100 Jahre Frauenwahlrecht. Der Anteil der Frauen im Bundestag liegt bei 31 %.

Auch als Mann muss man bei all diesen heute selbstverständlichen Gesetzen und Regelungen zugestehen, dass diese für die Gesellschaft notwendig und wichtig waren und sind. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist eine große Errungenschaft der Demokratie. Man hat allerdings zunehmend den Eindruck, dass je mehr für die Frauen erreicht wird, desto mehr steigt proportional die Unzufriedenheit der Feministinnen.

Wenn man sich nun die gesellschaftliche Situation in Deutschland der Gegenwart anschaut, ergibt sich nämlich ein ambivalentes Bild. Da gibt es zum einen den Gender-Pay-Gap, der zurecht von Frauenrechtlern und Frauenrechtlerinnen kritisiert wird. Im Jahr 2019 fand man diesbezüglich die einbrennende Zahl von 21 Prozent weniger Lohn für Frauen in sämtlichen Schlagzeilen.

Randthema Männer- und Jungendiskriminierung

Unfaires Framing bei der Diskussion ist allerdings, wenn man diese 21 Prozent nicht bereinigt. Rechnet man den Faktor Berufswahl, Bildungsstand, Erfahrung und Umfang (Teilzeit/Vollzeit) bei ca. 6 Prozent. Wenn man jetzt noch berücksichtigt, dass ein Großteil der in Deutschland geleisteten Überstunden von Männern geleistet werden (muss) und Frauen entgegen der herrschenden Meinung (Stichwort: Männergrippe) tatsächlich statistisch mehr Krankheitstage als Männer aufweisen, ergibt sich fast ein ausgeglichenes Bild. [Anm.: Bitte nicht falsch verstehen, Krankheitstage möchte ich niemandem vorhalten, aber wenn man schon spitz rechnet, sollte man es fairerweise umfassend machen].

Natürlich möchte dies niemand lesen, zumindest sind solche  Differenzierungen für die meisten langweilig oder unbequem. Die Überschrift „Ausbeutung! – Frauen erhalten 21 Prozent weniger Lohn“ wird halt mehr geklickt.

Ebenso wird auch der Gender-Education Gap zu Lasten der Jungen bzw. Männer gerne übersehen. Statt dessen werden z.B. im öffentlichen Dienst Gleichstellungsbeauftragte installiert, die dafür sorgen, dass Frauen bei gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung bevorzugt eingestellt werden. Somit haben junge Männer mit den tendenziell schlechteren Abschlussnoten noch eine zusätzliche Hürde zu nehmen, was dazu führt, dass in vielen Bereichen ein Frauenüberhang entstanden ist.

Dieses Beispiel zeigt, dass Gleichstellung und Frauenquoten in der Praxis oft in einem Gegensatz zur Gleichberechtigung steht. Eine stumpfe Gleichstellung kann gesellschaftliche Fehlstellungen aber sogar umkehren. Niemandem ist jedoch gedient, wenn eine Gesellschaft vom Patriarchat ins Matriarchat wechselt.

Auch müssen endlich Probleme wie die deutliche niedrigere Lebenserwartung von Männern im Vergleich zu Frauen angegangen werden. Spezielle Gesundheitsprogramme, Hilfestellungen und Förderung von Jungen und Männern ist nötig. Wenn wir von alten Rollenbildern weg wollen, dann müssen wir auch den Männern Hilfestellungen bieten sich neu zu entdecken. Sie dürfen nicht immer nur bestenfalls ein Randthema der Frauen- und Mädchenförderung darstellen.

Dass es in Deutschland immer noch nur ein Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gibt ist ein Unding. So kompliziert wie der Name, so veraltet ist er auch. Besser wäre z.B. ein Bundesministerium für Familie, Geschlechter und Generationen oder auch ein Bundesministerium für Familie und Diversity.

Männer sollen sich für Gleichberechtigung einsetzen, sich aber nicht Feministen nennen

Ich persönlich bin kein Freund von Geschlechtertrennung. Es wäre schön, wenn aus der Feministinnenbewegung eine gesamtgesellschaftliche Bewegung würde. Wenn Politiker wie unser Außenminister Heiko Maas (SPD) sich als Feministen bezeichnen, halte ich das begrifflich für falsch. Es ist gut gemeint, aber ergibt keinen Sinn. Der Feminismus trägt das Wort „feminina“ in sich, lateinisch „Frau“. Ein Begriff, der lediglich ein Geschlecht beinhaltet, kann nicht generisch für Gleichberechtigung und Engagement dafür stehen.

Auch die Aktion des Rot-Rot-Grünen Berlins den 8. März als Internationalen Frauentag zum Feiertag zu machen, ist falsch. Ein Tag der Gleichberechtigung, des Regenbogens oder was auch immer wäre in Ordnung, aber nur ein Geschlecht hervorzuheben ist weder gerecht noch empathisch oder gar zukunftsweisend.

Die Grünen mit ihrer 50+ Frauenquote und dem Frauenstatut mit zahlreichen Privilegien für Frauen sind für mich daher eindeutig nicht die Partei der Gleichberechtigung, sondern eine Frauenpriviligierungspartei. Die Verschärfung des Frauenstatuts auf ihrem Bundesparteitag im November 2019 hat mich einmal mehr negativ überrascht bzw. enttäuscht.

Nun besagt § 2 Abs. 1 des Frauenstatuts der Grünen: “Ist die Redeliste der Frauen erschöpft, so sind die Frauen der Versammlung zu befragen, ob die Debatte fortgesetzt werden soll.”

Als Mann darf man also nicht mehr reden, wenn die Frauen das nicht wollen. Die Degradierung des Mannes scheint in der Partei der Gleichberechtigung weiter voranzuschreiten. Insbesondere als männlicher Wähler sollte man sich mit den Grünen daher sehr genau beschäftigen und sich nicht von der hübschen Sonnenblume blenden lassen.

Wenn die Grünen so etwas für sich selber beschließen ist das schon schlimm genug, aber schaut man nach Brandenburg und auf das neue dortige paritätische Wahlgesetz zeigt sich, dass man (in diesem Fall Rot-Rot-Grün) auch andere Parteien zu solchen Unfug zwingen will. Dort sollen zukünftig nach Geschlechtern getrennte Wahllisten erstellt werden und dann abwechselnd für die Gesamtliste ziehen. Und wenn eine Partei 20 % Frauen als Mitglieder hat, haben die dann eben Anspruch auf 50 % der Mandate. Was für ein Demokratieverständnis!

Das zusätzlich Paradoxe daran: Gerade die Grünen betonen immer wieder, dass für sie “Männer und Frauen” gesellschaftlich festgelegte Kategorien sind. Warum aber hören gerade sie nicht damit auf alles nach Geschlecht zu trennen? Warum haben sie nicht den Optimismus auf den individuellen Menschen und die Bestenauslese zu vertrauen?

Es ist ebenso absurd, wenn Feministinnen neuerdings von Männern fordern sich als Feministen zu bezeichnen. Ich glaube Frauen würde es auch nicht gefallen, wenn man Gleichberechtigung als Maskulinismus titulieren würde. Der Feminismus 2.0 oder 3.0 sollte ein Humanismus 2.0 werden oder aber etwas ganz neues – wichtig ist, dass er alle umfasst.

Keine Privilegien, keine Quoten, sondern Chancengleichheit für alle!

 

Deutschland laut Klima-Risiko-Index auf Platz 3

Bisher hatte man in Deutschland den Eindruck, dass die Bundesrepublik eher zu den durch Klimawandel weniger bedrohten Staaten der Erde gehört.

Doch bedingt durch Hitzewellen, Dürren und Stürme in 2018 ist laut der Entwicklungsorganisation Germanwatch Deutschland nach Japan und den Philippinen auf Platz 3 der Liste der in 2018 am meisten durch Wetterextreme betroffenen Staaten.

Klima-Risiko-Index von Germanwatch

Betrachtet man allerdings den langfristigen Klima-Risiko-Index sind nach wie vor Staaten und Gebiete mit mittlerem und vor allem niedrigerem Entwicklungsstatus betroffen. Allen voran Puerto Rico, Myanmar und Haiti.

Der Index basiert auf Daten der Munich Re und dem IWF. Berücksichtigt werden zur Bewertung Todesopfer und Sachschäden (auch in Relation zur Einwohnerzahl und zum BIP) durch Wetterextreme.

Für Deutschland werden in dem Report 1.234 Hitzetote angegeben. Die Landwirtschaft habe durch die Dürre mit erhöhten Temperaturen und weniger Niederschlag zudem massive Ernteausfälle zu verzeichnen gehabt.

Der Bericht zeigt, dass vermehrt auch die Industriestaaten vom Klimawandel betroffen sind. Allerdings werden die Klimawandelschäden gerade in den Entwicklungsländern teilweise unzureichend erfasst.

Bei der aktuell stattfindenden UN-Klimakonferenz in Madrid soll mit der internationalen Klimafinanzierung insbesondere den ärmeren Ländern geholfen werden, die über kaum Krisenkräfte und Anpassungsmöglichkeiten an die Herausforderungen des Klimawandels verfügen.

Nationale Alleingänge nicht hilfreich

Bei aller Kritik und den Schwierigkeiten eines Klima-Risiko-Index sollte auf jeden Fall klar sein, dass beim Klima die Menschheit in einem Boot sitzt und entsprechend nur gemeinsam handeln kann.

Einseitige Verbots- und Verzichtskultur und von Panik angetriebener Aktionismus sind trotz allem Handlungsbedarf nicht der richtige Ansatz. Ebenso ist es nicht hilfreich, wenn einige Staaten sich komplett heraushalten.

Statt planwirtschaftlicher Vorgaben wäre es besser auf die Funktionen des Marktes zu vertrauen und z.B. einen Emissionshandel mit CO2-Zertifikaten bei fixer Obergrenze des CO2 (definiert durch die Klimaziele von Paris) umzusetzen.

Vorrangig auf Innovation und Digitalisierung setzen heißt allerdings nicht, dass es in Einzelfällen nicht auch angebracht sein kann, mit gesetzlichen Vorgaben und ggf. Verboten Grenzen abzustecken. Aber eben nur nachrangig, dann aber mit aller Konsequenz des Rechtsstaates.

Wie kompliziert es oft ist die umweltfreundlichste Variante zu wählen zeigt das Thema Plastiktüte. Von der CO2-Bilanz her ist tatsächlich eine Papiertüte kritischer als die Plastikvariante. Die Bioplastiktüte wiederum benötigt Maisdünger und der verursacht auch reichlich CO2. Am besten ist da wohl der Baumwollbeutel, der zwar einiges an CO2 bei der Herstellung ausstößt, aber ab der 30sten Nutzung die beste Alternative ist. Und theoretisch kann man den mehr als 2.000 mal nutzen.

 

Manspreading und She-Bagging

Wie weit es zwischen den beiden Hauptgeschlechtern Frau und Mann schon gekommen ist, merkt man an der teilweise sehr emotional geführten Diskussion zum Manspreading.

Der normale Mensch wird sich fragen, was das überhaupt ist. Manspreading steht für die gespreizte Beinhaltung von Männern an öffentlichen Orten. Es steht besonders in Öffentlichen Verkehrsmitteln in der Kritik und ist mittlerweile Angriffsziel zahlreicher Kampagnen, zuletzt bei den Wiener Verkehrsbetrieben unter dem Slogan “Sei ein Ehrenmann und halt deine Beine zam!”.

Verbote und Sanktionen

In den USA und in Spanien gibt es bereits Verbote und Geldsanktionen beim Manspreading. Und damit nicht genug, die britische Designerin Laila Laurel hat zwei Stühle entworfen, einen für Männer und einen für Frauen. Durch Führungsschienen müssen Männer die Beine nun zusammenpressen, die Frauen dürfen breitbeinig sitzen. Für diesen meiner Meinung nach gesundheitsgefährdenden Quatsch für die Weichteile des Mannes hat die Dame natürlich auch noch einen Preis gewonnen, den New Designers Belmond Award.

Provokation ist bekanntlich alles in der heutigen Zeit. Wenn ich mich aufrege, sagt man mir oft, lass es – das nimmt sowieso niemand ernst, genauso wie das, was Politiker sagen.

Ich finde das traurig. Muss man wirklich stumpf werden und den ganzen polarisierenden Quatsch in den Medien ignorieren? Aber welchen Sinn haben dann noch Medien, wenn man zumindest das meiste was sie schreiben ignorieren muss?

Der Vollständigkeit halber sei noch auf das She-Bagging hingewiesen, welches selbstverständlich bei weitem nicht so thematisiert wird, wie das angeblich weit verbreitete Manspreading. Beim She-Bagging nimmt die Dame zuviel Platz ein mit ihren Taschen.

Gegenseitiger Respekt und Rücksichtnahme hilft

Liebe Wiener Verkehrsbetriebe, solche Themen sind keine (eigene) Kampagne wert. Und schon gar in Form des üblichen “Männer-Täter-Frauen-Opfer-Prinzips”. Das ist einfach zu billig, zu polarisierend und schlicht unfair. Sicher, bei einigen Turbo-Feministinnen kommt man damit gut an, aber diese stellen gesellschaftlich nur eine kleine aber zugegeben laute Minderheit dar. Dem Anliegen ansich tut man damit jedenfalls einen Bärendienst.

Ich fahre über 20 Jahren mit Bussen und Bahn, noch nie hat mich Manspreading (könnte ja auch einen Mann betreffen, wenn sein Sitznachbar es übertreibt) noch She-Bagging gestört. Es gab dabei zwei Lösungen, 1. im Normalfall hat mein/e Sitznachbar*in die Beine enger zusammengeführt bzw. die Tasche entfernt, damit ich Platz habe. 2. im absoluten Ausnahmefall habe ich höflich gefragt “Könnten Sie etwas mehr Platz lassen, vielen Dank!”.

Aber dazu braucht es Anstand und Selbstbewusstsein. Respekt und Rücksichtnahme auf die jeweilige Situation meines Gegenübers. Arbeiten wir daran und nicht am Geschlechterbashing. Und arbeiten wir auch am gegenseitigen Verständnis, denn als Mann muss ich zugeben, dass ich tatsächlich aus anatomischen Gründen nicht wie eine Frau sitzen kann und möchte. Bin ich jetzt ein vom Patriarchat geprägter Macho? Nein, denn ich würde auch niemals einer Frau mit breitem Becken ihre größere Fläche an der Rückenlehne streitig machen. Und nein, ich muss als Mann natürlich auch keinen Spagat in Sitzhaltung machen und damit meine/n Sitznachbar*in bedrängen.

 

EU-Institutionen: Emanzipation der deutschen Sprache notwendig

Gerne wird von der deutschen Dominanz in Europa gesprochen. Ein gutes Beispiel, dass von einer solchen Dominanz wohl nicht die Rede sein kann ist die Verwendung der deutschen Sprachen in der Europäischen Union und ihren Institutionen.

Zurzeit sind alle Amtssprachen der EU-Mitgliedsländer auch offizielle Sprachen der Europäischen Union. Die einzige Ausnahme ist Lëtzebuergesch, da Luxemburg auf diesen Status für seine moselfränkische Nationalsprache verzichtet.

Drei Arbeitssprachen: Englisch, Französisch und Deutsch

Davon abgegrenzt werden zudem drei interne Arbeitssprachen der EU-Institutionen: Englisch, Französisch und Deutsch. Obwohl Deutsch jedoch die meistgesprochene Muttersprache auf dem Gebiet der EU ist (ca. 18%) wird es in den EU-Institutionen gegenüber Englisch und Französisch weiterhin vernachlässigt.

In Brüssel findet man wie selbstverständlich Beschriftungen der Commission européene (frz.) und der European Commission (engl.), aber nicht der „Europäischen Kommission“. Das Gleiche findet bei den Logos und z.B. der Rednerpultbeschriftung bei Presseterminen statt.

Kleinigkeiten und bestenfalls Unhöflichkeiten gegenüber den Menschen aus Deutschland, Österreich, Ostbelgien, Luxemburg und Südtirol könnte man Augen zwinkernd die Kritik kosmopolitisch abtun. Aber die Diskriminierung der deutschen Sprache bei der EU hat auch spürbare Nachteile für deutschsprachige Personen und Unternehmen.

Nachteile haben unter anderem deutsche Mittelständler bei Ausschreibungen und deutsche Bewerber bei Stellenbesetzungen. Es ist in diesem Zusammenhang wohl kein Zufall, dass Deutsche bei den EU-Beamten in Relation zur Bevölkerung immer noch unterrepräsentiert sind. Auch im Alltag der EU-Institutionen und bei den Spitzenbeamten steht Deutsch im Schatten der beiden anderen.

Weltpolitisch agiert die EU international ohnehin vorherrschend auf Englisch und Französisch. Dies mag sich auf internationaler Ebene nicht vermeiden lassen, innerhalb Europas sollte die EU allerdings Deutsch mehr fördern und dies ausgleichen.

Werden nach dem Brexit Karten neu gemischt?

Seit Langem versucht die deutsche Bundesregierung, des immerhin größten Nettozahlers der EU, die Stellung der deutschen Sprache zu verbessern. Bei der wirtschaftlichen Stärke Deutschlands sollte es ein leichtes sein, dass Deutsch zumindest nicht gegenüber Englisch und Französisch benachteiligt wird.

Allerdings führen die mittlerweile schon jahrzehntelangen Bemühungen zu keinem Erfolg. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn auch in Osteuropa die eigentlich traditionell hohe Stellung der deutschen Sprache als Fremdsprache zurückgeht.

Die EU nimmt für sich in Anspruch für mehr Demokratie einzutreten. Dann muss sie auch das sogenannte Drei-Sprachen-Regime konsequent umzusetzen. Durch den Brexit kommt aktuell wieder Bewegung in die Sprachenfrage. Insbesondere die Franzosen fordern eine stärkere Rolle ihrer Sprache, ähnlich selbstbewusst sollten auch die deutschen Europapolitiker auftreten.

Allerdings sollte auch allen klar sein, dass Englisch wohl nicht verschwinden wird. Es ist zwar als Amtssprache von Irland und Malta lediglich noch die Muttersprache von ca. 1 % der EU-Bürger, aber unbeachtet die Weltsprache Nr. 1 und auch innerhalb der EU die wichtigste Fremdsprache, noch vor Deutsch und Französisch.

 

Freiheitsbeschränkung durch allgemeine Dienstpflicht

Nach dem Vorschlag einer Schutzzone für Nordsyrien, den Annegret Kramp-Karrenbauer als Verteidigungsministerin vor kurzem herausgab, ist nun der Vorschlag einer allgemeinen Dienstpflicht für junge Frauen und Männer ein weiteres Kaninchen aus dem Zylinder von AKK.

Konkret soll es dabei wohl um ein Pflichtjahr zu gemeinnützigen Tätigkeiten, also z.B. in den Bereichen Kultur, Ökologie, Sozialwesen oder Bundeswehr gehen. Eine klassische Freiheitsbeschränkung durch Staatszwang.

Verfassungsrechtler haben bei dem Vorschlag bezüglich der Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz ohnehin Bedenken (siehe: Artikel 12 GG). Aber der Vorschlag hat sicher nicht nur Nachteile. Rein praktisch könnte mit einer allgemeinen Dienstpflicht sicherlich einiges an günstiger Arbeitskraft für die Gesellschaft generiert werden.

Junge Frauen und Männer für die Gesellschaft

Ein Vorteil der allgemeinen Dienstpflicht gegenüber dem früheren Wehrdienst und Zivildienst wäre immerhin, dass auch junge Frauen miteinbezogen würden. Das würde die früher von jungen Männern empfundene geschlechtsbezogene Ungerechtigkeit bei der Wehrpflicht bereinigen.

Auch ich fand es Mitte der 90er Jahre ungerecht, dass ich 13 Monate im Krankenhaus auf der Pflegestation zwangsweise arbeiten musste, während die Mädels bereits eine Ausbildung oder ein Studium beginnen konnten. Bilanz ziehend kann ich aber gestehen, dass ich nach dem Zivildienst froh war, dass ich im Sozialbereich gearbeitet habe. Geschadet hat es nicht und wenn etwas vorbei ist, wovor man vorher eine Aversion hatte, sieht man die Sache meistens sowieso versöhnlicher.

Ein weiterer Vorteil eines allgemeinen Dienstes vor dem Berufsleben ist sicherlich auch, dass Menschen aus unterschiedlichen Bildungsschichten und verschiedenen Regionen des Landes zusammen kommen, um an einer gemeinsamen Sache zu wirken.

Der Charme der Freiwilligkeit und Freiheit

Jetzt aber zum ABER: Wäre es nicht besser, wenn man die jungen Menschen aus Überzeugung dazu bringen würde, etwas für die Gesellschaft zu tun? Wenn man zu etwas gezwungen wird, ist die Einstellung zu der Aufgabe direkt negativ. Haben wir das nötig? Es gibt tolle Aufgaben in diesem Land und für diese Gesellschaft zu erledigen. Und die jungen Menschen sind durchaus bereit dazu.

Man sollte besser den Bundesfreiwilligendienst attraktiver machen. Dies könnte z.B. durch interessantere Einsatzmöglichkeiten für Bufdis, mehr Vergünstigungen und mehr gesellschaftliche und auch fiskale Anerkennung geschehen. Dann macht das ganze Spaß und es wird ein Schuh draus!

Es ist eben doch schöner, wenn man etwas freiwillig erbringt, als unter dem Druck eines Einberufungsbescheides, oder?

 

Klima: Optimismus, Pessimismus und grüne Melonen

Jeder Jeck ist anders, wie der Rheinländer sagt. Und wie so vieles aus dem Rheinland ist auch hier viel richtiges dran.

Und so kommt niemand direkt aus seiner Haut und kann auf Knopfdruck entscheiden, ob er Optimist oder Pessimist ist.

Man kann aber selbst entscheiden, welche politische Grundhaltung man favorisiert. In der politische Diskussion fällt einem schnell auf: Liberale Parteien wie die FDP haben eine optimistische Grundhaltung zum Menschen und seinen Fähigkeiten. Sie setzen auf Freiheit und Freiwilligkeit. Der Mensch soll durch Aufklärung und möglichst viele Freiräume eben frei, aber auch verantwortungsvoll leben.

Weiß der Staat es besser?

Parteien wie etwa die deutschen Grünen, die Linken und mittlerweile auch viel zu oft die SPD setzen auf Gesetze, Regulierung und Vorschriften. Dem liegt ein eher pessimistisches Denken zu Grunde: Der Staat kann es besser, als der Einzelne oder die Privatwirtschaft. Der Staat weiß am besten, was gut für die Menschen ist.

Das hat zur Folge, dass gerade das linke Parteienspektrum sehr intensiv mit sich selbst beschäftigt ist. Schließlich ist die Organisation und die Partei wichtig. Und natürlich auch die Planung von Gesetzen, der Installierung von Frauenquoten und die Erstellung geschlechtsreglementierter Rednerlisten und Wahllisten.

Zugegeben, es ist schwer in der heutigen Zeit Optimist zu sein. Nicht weil es uns in Deutschland so schlecht geht, aber weil die Medien und die sozialen Netzwerke mehr schlechte, als gute Nachrichten verkünden.

Klimaschutz: Populismus oder Profis?

Die beste Wahlkämpferin der deutschen Grünen heißt zurzeit Greta Thunberg (Skolstrejk för klimatet). Die engagierte Schwedin hat das Thema Umwelt und Klimaschutz in den Fokus katapultiert. Natürlich nicht sie alleine, sondern die Medien mit ihr als Galionsfigur.

Daran ist zunächst nichts falsches. Leider lebt der Klimaschutz als politisches Thema von einer gewissen Dramatik. Fridays for Future, Kitas for Future und Parents for Future fordern schnelle und drastische Lösungen. Dann kommen populistische  Forderungen der Grünen nach einem Verbot von SUV´s oder Dieselfahrzeugen sowie die einer kompletten Umstellung auf Elektrofahrzeuge gut an.

Und um einen Rundumschlag zu machen denkt man auch noch über vegane Ernährungsvorschriften und eine Sondersteuer auf Fleischprodukte nach. Das wertvoller Regenwald schon Sojaanbauflächen weichen musste, scheint manchen augenscheinlich nicht relevant.

Woher der benötigte Strom für die Fahrzeuge oder die entsprechende Infrastruktur dafür kommen soll, wissen die Grünen nicht. Aber solche Forderungen klingen einfach gut. Besser, als wenn z.B. die FDP eine Innovationsoffensive im Bereich Umwelttechnologie oder andere Antriebskonzepte zu synthetischen Kraftstoffen und Wasserstoff fordert.

Oder eben Profis wie Wissenschaftler und Ingenieure fördern möchte, um die besten Möglichkeiten zu schaffen und dann umzusetzen.

Da trifft der optimistische Glaube an die Kraft des Menschen auf den Glauben an Verbote, Staatslenkung und Verzichtskultur.

Bitte nicht falsch verstehen. Liberal sein bedeutet nicht die rosarote Brille zu tragen. Nein, manchmal geht es nicht ohne (kluge) Gesetze, Eingriffe und Beschränkungen. Auch eine Soziale Marktwirtschaft ist besser, als die reine Marktwirtschaft. Und so ist auch eine auf Freiheit basierende Klimapolitik in einem sinnvollen gesetzlichen Rahmen die wohl nachhaltigste Variante.

FDP sei 1971: Freiburger Thesen für den Umweltschutz

Die Partei mit der schönen Sonnenblume im Logo hat unbestritten Jahrzehnte für den Klimaschutz laut gekämpft. Die FDP jedoch hat bereits ab 1971 mit den Freiburger Thesen den Umweltschutz neben dem Sozialen Liberalismus in ihr Grundsatzprogramm aufgenommen. Damit waren die Liberalen als erste Partei im Bundestag noch vor der Gründung der Grünen 1980 für den Umweltschutz engagiert, wenn auch vielfach leiser und nicht so medienwirksam und radikal wie die Grünen.

Darauf sollten die Liberalen in Deutschland aufbauen und das Thema Umwelt und Klimaschutz nicht den Grünen überlassen. Ganz ohne Bashing von Personengruppen, sondern mit dem ureigenen Optimismus, neuen Ideen aber auch mit der Offenheit z.B. mit den Grünen konstruktiv zusammen zu arbeiten. Klimaschutz ist zu wichtig um ideologisch und einseitig zu sein.

Eine Jamaika-Koalition wäre da vielleicht tatsächlich eine spannende Variante. Vielleicht bei der nächsten Bundestagswahl 2021 eine machbare Alternative. Allerdings sollte sich jeder Liberale und Bürgerliche darüber im Klaren sein, dass die Grünen sich schnell als Melonen entpuppen können. Außen grün, aber innen rot ist die Gefahr von Grün-Rot-Rot mit einer Stimme für die Grünen hoch.

 

Warum dürfen Männer nicht Gleichstellungsbeauftragter sein und auch an der Wahl hierzu nicht teilnehmen?

Problem: In den Bundesverwaltungen ist die Gleichstellungsbeauftragte gemäß § 19 Bundesgleichstellungsgesetz (BGleiG) durch eine Frau zu besetzen. Dies gilt daneben auch für die meisten Landesgleichstellungsbeauftragten und die Kommunalverwaltung.

Die jetzige Form schließt daher bewusst alle anderen Geschlechter aus. Diese Funktion kann aber nachhaltig nur legitimiert sein, wenn alle Geschlechter das Amt des oder der Gleichstellungsbeauftragten ausführen dürfen und selbstverständlich auch an der Wahl hierzu als Wahlberechtigte teilnehmen dürfen.

Umbenannte Frauenbeauftragte

Das Amt wirkt zurzeit nur wie eine umbenannte Frauenbeauftragte.

Lösung: Gleichstellungsbeauftragte dürfen alle Geschlechter werden und können auch von allen gewählt werden. Die Akzeptanz für diese Funktion und deren Anliegen würde dadurch deutlich gesteigert.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, denn Geschlechterförderung sollte in einer Demokratie keine Einbahnstraße sein.

Alternativ sollte man die Gleichstellungsbeauftragten abschaffen und z.B. durch eine(n) Diversity-Beauftragte(n) ersetzen. Das Aufgabenfeld wäre dann weiter gefasst und könnte sich so ein positiveres Image aufbauen.

Denkfehler einer zwanghaften 50:50-Gleichstellung

Die Ideologie der zwanghaften Erreichung einer 50:50-Zielmarke “Gleichstellung” entpringt meines Erachtens einem planwirtschaftlichem Denkfehler, der mittlerweile allzu oft eine Bestenauslese unmöglich macht oder einen entsprechenden Kampf mit der Gleichstellungsbeauftragten auslöst.

Das belastet/hemmt im Alltag regelmäßig Exekutive wie Judikative und ist für viele demotivierend und auch Ressourcenverschwendung. Nach meinem persönlichen Eindruck werden z.B. Beurteilungen, Beförderungen und nicht zuletzt Stellenbesetzungen im Zweifel mit einer Besserstellung der weiblichen Beschäftigten vergeben, um unnötigen Diskussionen und Widerständen mit der Gleichstellungsbeauftragten aus dem Weg zu gehen.

Gerechtigkeit ist das nicht und damit ist gesellschaftlich langfristig niemandem gedient.

 

Warum sich das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend umbenennen sollte

Problem: Obwohl auch Männer spezifische Probleme haben, wie z.B. eine höhere Obdachlosenquote, höhere Suizidrate und kürzere Lebenserwartung, werden diese nahezu komplett gesellschaftlich ignoriert.

Auch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erwähnt außer Frauen andere Geschlechter im Namen nicht. Mit dem aktuellen Namen dokumentiert das Ministerium demonstrativ: Es fehlt in der Geschlechterpolitik weiterhin ein ganzheitlicher Ansatz.

Lösung: Die Umbenennung des Ministeriums z.B. in Bundesministerium für Familie, Geschlechter und Generationen wäre ein erster notwendiger Schritt mit Symbolwirkung. Frauen wären deklaratorisch weiterhin im Namensbestandteil enthalten, Männer und Diverse aber auch.

Bei der Umbenennung darf es natürlich nicht bleiben. Der Aufbau und die Arbeit des Ministeriums müsste entprechend angepasst werden, so dass es als Institution die Gleichberechtigung, Gleichstellung und Chancengleichheit der Geschlechter ganzheitlich fördern muss.

 

Warum bei Koalitionen die Flaggenkunde an Bedeutung gewinnt

In der komplexer gewordenen politischen Landschaft werden neuerdings die Flaggen verschiedener Staaten zur Darstellung von Regierungskoalitionen bemüht.

Die erste Variante war dabei die Jamaika-Koalition:

In Deutschland bedeutet das eine Regierungskoalition aus CDU (schwarz), FDP (gelb) und den Grünen (grün). Dieses Bündnis mag für viele Menschen einen gewissen Charme haben, in einigen Bundesländern wie Schleswig-Holstein wurde diese Kombination auch schon in Regierungsverantwortung realisiert.

Man sollte sich als Wähler allerdings darüber im Klaren sein, dass dies kein Wunschbündnis ist, wählt man zum Beispiel grün um Jamaika zu ermöglichen, ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass man seine Stimme letztlich ungewollt Grün-Rot-Rot geschenkt hat.

zimbabwe koalition

Manchmal reicht es aber nicht für Jamaika, dann benötigt man noch einen weiteren Partner. Nimmt man dann zur Erreichung einer Regierungsmehrheit die SPD (rot) oder ggf. die Linkspartei hinzu, hat man die Zimbabwe-Koalition.

kenia koalition

Hat die Große Koalition (GroKo) an Größe verloren, muss sie die Grünen mit in das Regierungsboot nehmen. Dies symbolisiert die Kenia-Koalition, die leider auf die Liberalen verzichtet.

angola koalition

Kombiniert sich die Große Koalition mit den Liberalen, dann kann man die Angola-Koalition bilden. Man könnte hier auch von einer Deutschland-Koalition sprechen, allerdings ist die deutsche Flagge unten nicht gelb sondern gold.

bahamas koalition

Seitens der AfD wurde auch schon die Bahamas-Koalition thematisiert, welche die CDU, die FDP und die AfD beinhalten würde.

Das sind nur einige Koalitionen, die immer mal wieder in den Medien mit Flaggensymbolik erwähnt werden.

Was man von den einzelnen Varianten hält, sei einmal dahingestellt. Es wird auf jeden Fall klar, dass das Bilden einer Mehrheit bzw. Regierung mit der zunehmenden Zersplitterung der Parlamente auf Landes- und Bundesebene nicht einfacher wird.

Während früher die klassischen Koalitionen CDU und FDP (schwarz-Geld) oder SPD und Grüne (rot-grün) ebenso wie die Großen Koalitionen mit zwei Koalitionspartnern auskam, werden jetzt drei oder mehr benötigt.

 

Warum das Gendersternchen eine Rosinenpicker*in ist

Wer kennt nicht das Gendersternchen? Es hat dem Gendergap und dem Binnen-I den Rang abgelaufen und ist mittlerweile im Alltag, insbesondere aber in den Sozialen Medien häufig anzutreffen.

Ich selbst muss gestehen, dass ich es im Vergleich zu den beiden anderen Alternativen tatsächlich netter finde. Ein Sternchen gefällt mir besser als ein Unterstrich oder als ein großes “I” mitten im Wort.

Was viele allerdings nicht wissen: das Gendersternchen hat nur eine Teilzeitstelle. Es ist bei den anderen Buchstaben des Alphabets nicht sonderlich beliebt und seine Kolleg*innen beschimpfen es gerne als Rosinenpickerin oder Drückbergerin.

Gendersternchen sucht sich nur angenehme Begriffe

Konkret werfen die anderen Buchstaben dem Gendersternchen vor, dass es immer nur bei schönen Begriffen erscheint. Stehen jedoch Begriffe in negativem Kontext überlässt es den anderen lieber die Arbeit. Dabei behauptet es aber von sich selbst, es sei besonders gerecht und auf Gleichstellung aus.

Und es stimmt, das Gendersternchen macht gerne mit bei Gewinner*innen, Akademiker*innen und Doktor*innen. Auch so im Alltag findet man es oft, egal ob bei Schüler*innen, Klimaaktivist*innen und Polizist*innen.

Wird es aber ernst und man spricht von Verbrechern, Tätern, Terroristen, Umweltsündern und Extremisten meldet sich das Gendersternchen krank. Gesundet dann aber meisten sehr schnell, wenn es um erfolgreiche Unternehmer*innen geht.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung konnte sich auch vielleicht deshalb noch nicht richtig durchringen das Gendersternchen für die amtliche Rechtschreibung zu empfehlen. Die Grünen bzw. die Grün*innen haben es dagegen bereits 2015 auf ihrem Parteitag als anzuwendenden Form für mehr “Geschlechtergerechtigkeit” beschlossen.

Generisches Maskulinum historisch gewachsen

Ich persönlich finde das generische Maskulinum als historisch frei gewachsene Sprachentwicklung ehrlich gesagt vollkommen ausreichend. Es gibt gute und schlechte Begriffe und die haben nichts mit Geschlecht zu tun. Gerade Frauen verwenden auch heute noch oft das generische Maskulinum und haben damit überhaupt kein Problem.

Wichtiger als solche anstrengenden Formalismen ist sicherlich die Gleichwertigkeit aller Geschlechter in den Köpfen der Menschen zu erreichen. Natürlich geschieht dies auch über Sprache, aber man sollte es nicht übertreiben, denn sonst sind nachher alle so genervt, dass man eher negative Gefühle und Ressentiments erzeugt.

Aber wenn man denn das Gendersternchen unbedingt fest im Betrieb der deutschen Sprache aufnehmen will, dann sollte das nur in Vollzeit gehen. Wobei dann immer noch das Problem bleibt, dass ein Wort welches mit “innen” endet für mich immer noch als eigentlich nur rein weiblich erkannt wird.

Das wiederum wäre ja dann ein ähnliches Problem wie beim generischen Maskulinum, also ein generisches Femininum light. Und selbst Feminist*innen sind mit dem Gendersternchen unzufrieden, da sie es negativ finden, dass nach dem Wortstamm zunächst das Gendersternchen folgt und erst dann die weibliche Endung. Sie fühlen sich zurückgesetzt, weil die weibliche Endung als letztes folgt.

Die Frage ist, wie es Männern dabei geht, dass in diesem Land ansonsten eigentlich immer kategorisch die weibliche Form zuerst genannt wird. Aber das ist bekanntlich egal, leben wir doch nach Ansicht der meisten insbesondere linksgrünen Politiker*innen und Journalist*innen im Patriachat des (alten) weißen Mannes.